Ditalog
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DITA für Redakteure – von Single Source Publishing bis Self-Publishing
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14 Feb 14 Quelldateien auf github.com bereitstellen

Git Versionsverwaltung für DITA-DateienDa meine eBooks unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden, spricht alles dafür, die DITA-Quelldateien ebenso zu veröffentlichen. In meinem Fall auf github.com. Nebenbei lerne ich also Versionskontrolle.

Die Lernkurve zur Verwendung von git ist für Anfänger und Nichtprogrammierer recht hoch. Darum habe ich meine Erfahrungen in Sachen github.com in eine kurze Anleitung gegossen.

Sämtliche Petersilienbücher sind als DITA-xml-Dateien zu finden unter https://github.com/petersell

Dieser Artikel ist im kostenlosen eBook Ditalog als EPUB und PDF-Datei verfügbar.

24 Nov 11 Der Romantische Nebel des Buchmarkts (RNB)

Im Oktober 2011 schrieb Sascha Lobo seine Allgemeinen Feststellungen zur Buchsituation. Nicht nur der Titel, auch der erste Absatz der Feststellungen gleichen einem Manifest:

0. Ich möchte in einer Welt leben, in der kluge Leute für das Nachdenken bezahlt werden, und dazu sind Bücher ziemlich gut geeignet. Das ist übrigens auch mein Argument für ein starkes Urheberrecht (mit digitalen Anpassungen, allerdings).

Leider verhält es sich bei mir nicht ganz so romantisch – obwohl ich mein Geld auch durch Nachdenken verdiene. Ich habe als Technischer Redakteur meine Urheberrechte am ersten Arbeitstag meinem Chef überschrieben. Er bezahlt mich nicht fürstlich, aber regelmäßig. Dafür gibt er täglich das Thema vor. Nun werde ich mich mit allzu harscher Kritik gegenüber meinem Chef zurückhalten. Solange wohl, wie dessen Geschäftsmodell mich und meine Familie ernährt.

Der Buchmarkt wird so lange nicht mit einem neuen Geschäftsmodell aufwarten, wie er genug Menschen ernährt. Natürlich wird es immer einen Buchmarkt geben. Genauso wie es noch Druckereien mit Druckern aus Fleisch und Blut gibt, obwohl ja jeder einen Drucker auf dem Schreibtisch zu stehen hat. Wer schon mal versucht hat, eine ePub-Datei mit einem Schleifenband zu versehen, wird sich das gänzliche Verschwinden des Buchmarkts sowieso nicht wünschen.

Gestern hielt ich im Supermarkt Lobos Wortschatz-Taschenbuch in der Hand. Ein Meisterwerk der Taschenbuchkunst. Sowohl der Inhalt als auch das Design waren genial. Und trotzdem hätte ich es nicht für einen Euro gekauft. Es will etwas von meinem Zeitkontingent beanspruchen – mit unterhaltsamen Zeittotschlagen! Aber was ist schon das Lesen von unterhaltsamen Zeittotschlagtexten gegen das Schreiben eigener Texte? Gegen das Aktivwerden, das Kreieren, die Kommunikation? Es beschlich mich ein unbeschreibares Gefühl der Trauer.

Lobos Wortschaftzfähigkeit ist gewaltig. So konstatiert er in den Feststellungen zur Buchsituation, nirgends gibt es alle Bücher wegen DRM, dem Senfgas des Internet. Ich war entzückt ob dieses Bildes. Bis die Verzückung nach einigen Tagen nachließ und ich mich fragen konnte: Was hat nur das Internet mit DRM zu tun? Richtiger muss es doch heißen: … dem Senfgas des Buchmarkts!

Ich habe der Ursache der lähmenden und alsbald nachlassenden Verzückung einen Namen gegeben: es ist der Romantische Nebel des Buchmarkts (RNB).

Woran erkennt man den RNB? Das ist ja das Schwierige. Er vernebelt auf geniale Weise. Aber ein sicheres Indiz für das Vorhandensein des RNB ist, dass sich der Autor an Amazon abmüht. Denn jedem außerhalb des Buchmarkts ist klar: Amazon is shipping goods. Buchmarkt und Amazon basieren auf dem selben Geschäftsmodell. Es ist, als ob zwei Verkäufer der Katze im Sack über die Beschaffenheit des Sackes fachsimpeln.

Ist der RNB etwas Schlimmes? Nein, er ist romantisch, unterhaltsam und inspirierend – wie jede Innenansicht. Außerdem reisen manche mit Nebelhörnern durchs Land und dürfen vor einem Publikum vortragen, die den RNB schlichtweg für den Nebel des Grauens halten. Auf diese Idee muss man erstmal kommen!

Wo immer ich den Romantischen Nebel des Buchmarkts vermute, lasse ich ein paar Tage verstreichen, bis der Nebel sich legt. Dann durchstöbere ich die Zuschriften zu z.B. den Allgemeinen Feststellungen zur Buchsituation nach unbeantworteten Kommentaren. Das sind die Außenansichten zur Buchsituation. Es funktioniert! Nach der romantischen Unterhaltung folgt nun die Inspiration.

30 Mai 11 Unterversorgung der Dokumentation?

Fristet im Software-Unternehmen die Technische Dokumentation das Leben eines unterversorgten Patienten? Vorschläge an die Redakteure und Geschäftsführer für die Zeit bis zur nächsten Visite.

Sie können diesen Artikel als eBook (EPUB) oder PDF-Datei downloaden.

Innovation immer mit Gewinn?

Vorigen Sommer verschlug es meine Familie wieder in den Freizeitpark IKEA. Ein Abstecher in den Sanitärbereich des Restaurants ließ mich schmunzeln: die Nachbartür war mit etwas mehr Text versehen als meine ersehnte!

Da kann keiner böse sein.

Noch lange habe ich überlegt, warum eine Tür mich zum Schmunzeln bringen konnte. Ich bemühte intellektuelle Konzepte wie Kontext oder Emotion. Immerhin hatte der Verfasser es geschafft, ein Verbot, eine Entschuldigung für eine verschlossene Tür in einen Sympathieträger umzumünzen! Doch nach einigen Tagen war ich dann bereit, es mir einzugestehen. Es war purer Neid! Nicht so sehr auf den Spruch, sondern dass dieser sich auf Tausenden von Türen ausbreiten konnte! Was muss das für eine innovative Geschäftsführung sein, in dessen Biotop nicht nur solche Ideen entstehen, sondern diese auch realisiert werden! Es ist bestimmt weniger aufwendig, für den Kundensupport ein Twitter-Account einzurichten, als Tausende Türen zu kennzeichnen. Trotzdem wird Ihnen Ersteres im Softwareunternehmen nicht so schnell gelingen!

Überall im Netz wird von Technischen Redakteuren die mangelnde Unterstützung für eine professionellere
Dokumentation beklagt. Oft herrscht im Softwareunternehmen die Mentalität des Jeder kann schreibens vor. Ich bildete mir ein, dass eine rudimentäre Technische Redaktion ähnlich zu werten ist wie diese Tür: als Indikator für die Innovationskultur im Unternehmen – also ebenfalls rudimentär. Bis Ute Klingelhöfers Frage Warum sollte man in die Technische Redaktion investieren? die Problematik der Dauerunterversorgung wieder auf die Füße stellte. Dieser Artikel soll Redakteuren helfen, die Gegenwart im Softwareunternehmen zu verstehen und sie befähigen, Ihre Kraft auf innovative Veränderungen in der Zukunft des Unternehmens zu verwenden.

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21 Dez 10 Aus einem E-Book zitieren

Die letzten Wochen habe ich mir die Mühe gemacht, meine Diplomarbeit über die DDR-Literatur der 70er und 80er Jahre mit Hilfe des DITA-OTs neu zu veröffentlichen. Da ich weiß, dass einige Schüler und Studenten nur bestimmte Kapitel interessieren, habe ich die Arbeit sowohl als Gesamtausgabe als auch als einzelne Kapitel veröffentlicht. Jedes Kapitel erhielt ein verkürztes Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis. Und siehe da: als PDF erhält das Kapitel natürlich eine andere Seitennummerierung als das integrierte Kapitel in der Gesamtausgabe! Natürlich soll auch eine ePUB-Version folgen und so weiter. Auf welche Weise soll man Zitiermöglichkeiten schaffen?

Kapitel und Abschnitte

Ich habe mich entschieden, den Text redaktionell zu bearbeiten und ihn in Kapitel und Abschnitte zu unterteilen. Die Abschnitte sind sinnvoll zusammenhängende Texteinheiten. Es hätte aber auch eine stupide Absatzzählung werden können. Es ist also ähnlich wie die Einteilung in der Bibel oder in Gesetzestexten. Das funktioniert so lange, wie der Autor bei Entstehung daran denkt, die Nummerierung vorzunehmen. Oder nachträglich eine Nummerierung vorgenommen wird. Was ist aber mit der Vielzahl von bereits veröffentlichten E-Books oder Blog-Posts?

Eines Lösung müßte m. E.  folgendes berücksichtigen:

  1. Eine Referenzierung auf Textstellen soll für jedermann nachvollziehbar sein – ohne Hilfesmittel. Das bedeutet, dass eine lange Prüfsumme zum Identifizieren nicht ohne Hilfsmittel zu verifizieren wäre und somit nicht in Frage kommt?
  2. Das Referenzier-System muss von jedermann anwendbar sein. Eine DOI, die eine Agentur davor schaltet und Kosten mit sich bringt, kommt ebenfalls nicht in Frage?
  3. Ideal wäre ein Referenzier-System, das auch auf bereits veröffentlichte Text jeglicher Art Anwendung finden kann.

Wie könnte innerhalb der DITA-Spezifikation eine Lösung aussehen?

Links zum Thema

  1. Blogpost auf teleread.com
  2. Lesen.net – Forum

20 Okt 10 Manu, Hollywood und Social Media

Manu ist eine erfrischende Bloggerin – denn sie warf einen Kiesel in die ruhige  See der Aufklärung. Sie recherchierte im Juni 2010, dass hinter in Schulen ausgelegten Geschenkgutscheinen für Bücher ein Vertrieb von Finanzdienstleistungen steckt. Der Vertrieb warf im Oktober 2010 einen mannsgroßen Brocken auf den Kiesel: Per Anwaltschreiben wurde die Bloggerin aufgefordert, den Post zu löschen. Nun schlagen die Wellen hoch, werden größer – der Groundswell beginnt, hier und jetzt und immer weiter…

Der Groundswell oder wie man ein Erdbeben lostritt

Charlene Li und Josh Bernoff haben im gleichnamigen Buch viele Beispiele zusammengetragen, wie Unternehmen vom Groundswell überrollt wurden. Den ersten Groundswell lösten 2007 die großen Filmgesellschaften wie Disney, Warner Bros. und Sony mit einem Brocken auf digg.com aus: Digg sollte ein Link, der auf eine Webseite mit dem geknackten HD-DVD-Verschlüssungscode 09 F9 11 02… zeigte, entfernen. Und tatsächtlich entfernten die digg-Macher den Link.

Nun besorgten sich andere Blogger den Code. Am nächsten morgen tauchten 88 Links mit dem Code auf. Zum Abend waren es schon 3172 Links. Digg.com gab es auf, Links zu zensieren. Grant Robertson aus der digg-Mannschaft kommentierte das Phänomen mit einem Spruch aus einer TV-Show:

Aus dem Internet kann man nichts entfernen. Das ist so, als würde man versuchen, das Pipi aus einem Schwimmingpool zu bekommen.

Manus Recherche ist auch hier zu finden: www.webcitation.org/5tb90oNIc. Und an vielen weiteren Stellen.

Natürlich wissen wir, dass man nichts geschenkt bekommt. Immer ist eine Gegenleistung zu erbringen. Manu hat sich im Fall der Büchergeschenkgutscheine die Zeit genommen, die Gegenleistung zu ergründen. Die Scheine konnten so lange in Schulen ausliegen, wie sich niemand die Zeit nahm, auf sie in irgendeiner Form zu reagieren. Sie hat sie sich genommen. Nun wird sie viel unangenehme Zeit aufbringen, um Menschen in Deutschland die Funktionsweise des sozialen Internets nahe zu bringen.

Sowohl die Filmgesellschaften als auch der Finanzvertrieb nahmen an, dass es sich mit einem Blogpost genauso verhält wie mit einem Papieraushang am Schwarzen Brett: wenn man ihn abnimmt, gerät die Information in Vergessenheit. Manus Blogpost wird natürlich auf Jahre hinaus im Web präsent sein. Alle Beteiligten verlieren viel Zeit und für den Finanzvertrieb ist es der Kommunikations-Gau schlechthin. Da sich der Blogpost nicht mehr aus dem Internet entfernen läßt, hat der Finanzvertrieb nur eine Chance, Vorbehalte über sein Wirken auszuräumen: er muss ein anderes Geschäftsmodell entwickeln und darüber im Internet berichten. Ein Geschäftsmodell, bei dem man stolz und froh ist, wenn Blogger darüber kostenlos berichten und Werbung machen. (mehr…)